Einstieg in die Mischkultur

Mein Einstieg in die Mischkultur oder wie alles begann

Lange habe ich mit mir gerungen. Was soll aus diesem Blog werden: eine Anleitung für meine Saatgut-Box, ein sachlich informativer Gartenratgeber zur Mischkultur oder doch lieber ein ganz persönliches Gartentagebuch? Gefühlt, habe ich mittlerweile alle Garten-Blogs im deutschsprachigen Raum durchgelesen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr macht das toll.

Jedoch, je mehr Garten-Blog-Beiträge ich las habe, desto mehr zögerte ich meine Schreiben hinaus. Ich übte mich in Prokrastination. Plötzlich gab es so viele Projekte und To-Dos im Garten. Das Laub musste geharkt werden. Die Blumenzwiebeln waren noch nicht gesteckt. Wer mir auf Instagram folgt, wird dort am letzten Wochenende sogar eine ausführliche Videoanleitung zum Zwiebeln stecken gefunden haben. Das hatte ich gar nicht vor. Auf meiner Aufgabenliste stand kurz und knapp: Blog-Artikel schreiben. Nichts weiter. Keine Zwiebeln, kein Insta und kein Stecken. Irgendwas lief da verkehrt. Dem musste ich nachgehen. Also, ab zur Freundin.

Zwei Flaschen Wein und eine Wanderung später habe ich mich entschlossen, die ganze Sache mit mehr Herz und weniger Kopf anzugehen. Funktioniert bei mir eigentlich meistens. Ich vergesse es nur so oft, aber dafür hat man ja Freundinnen. Nun läuft die Sache auch: wie ihr seht, ist ein Artikel schon fast fertig.

Das mit Herz und Kopf ist so eine Sache. In diesem Jahr sollte ich es nun wirklich verstehen. Im Januar hatte ich gerade meinen neuen Job begonnen, als ich Ende Februar mit meinen Kindern zu einer dreiwöchigen Kur aufbrach. Während in diesen Wochen Deutschland in den Lockdown startete, das letzte Klopapier aus den Regalen holte und alle so ein bisschen verrückt wurden, saßen wir mit 200 Frauen und Kindern gemütlich beim Grillen auf einer einsamen Nordseeinsel. Das war meine letzte Veranstaltung mit mehr als 20 Personen. Ich vermisse sie sehr. Mittlerweile würde dieses Zusammentreffen schon unter die Bezeichnung Großveranstaltung fallen.

Während die Welt alles auf den Kopf stellte, genossen wir das erholsame Meeresrauschen und marschierten im strammen Nordic-Walking-Schritt durch die Dünen entlang der stürmischen Nordsee. Es war, als ob nichts wäre. Wir waren plötzlich die letzten Gäste auf der Insel. Einsame Strände, verlassene Buchten und das Wichtigste für eine totale Entspannung: ein grottenschlechter Internet-Empfang. Und dann kam sie: die Rückkehr in die neue Welt. Das Ankommen in Berlin war ein Schock. Es gab keine Nudeln, keinen Unterricht, kein Klopapier und keine Kontakte. Meinen neuen Job in der Veranstaltungsbranche hatte ich trefflich gewählt. Bingo!

Das Gefühl der Entspannung während der Kur war nach zwei Tagen schon komplett verflogen. Nun hieß es: zwei Kinder unterrichten, im Home-Office arbeiten und mindestens drei Mahlzeiten pro Tag zubereiten. Nun gut, so ging es allen und wir saßen alle in einem Boot und doch jeder für sich zu allein. Manchmal etwas einsam.

Unser Drucker lief Tag und Nacht. So viele Hausaufgaben konnte doch kein Kind bekommen. Die Küche verließ ich nur selten, es sei denn, um mehr Essen zu beschaffe oder die Wohnung zu putzen. Ich musste raus.

Die Stadt war nun nicht mehr the place to be und der Park war völlig überfüllt mit sporttreibenden Zweiergrüppchen. Also, ab in den Garten. Der Garten wurde mein wildes Corona-Abenteuer. Im Garten konnte ich sein, ohne Maske, ohne Fallzahlen, ohne Sicherheitsabstand und ohne Angst vor dem großen Pandemieungeheuer. Ich konnte ich sein, mit Hacke und Schaufel und so fing er an, der Einstieg in die Mischkultur. Meinen Garten besitze ich schon seit fast zehn Jahren und schon immer war er für mich ein Ort der Ruhe, Selbstfindung und ein wunderbarer Platz, um all’ die Dinge zu durchdenken, die man sonst nirgendwo mit so viel Hingabe und Intensität verarbeiten kann. Die unter Euch, die schon einmal mit einer Hacke im Beet gestanden haben, wissen, was ich meine.

Ich hatte meinen Ort gefunden. Dort baute ich Hochbeete, säte Radieschen, zog Tomaten vor, setzte Pflanzendünger an und beschäftigte mich intensiv mit dem Thema Gemüse in der Mischkultur. Ob in der Schrebergartensiedlung oder in Gedanken, ich war immer im Garten und nun, acht Monate später, habe ich den Entschluss gefasst, meine Erfahrungen zu teilen.

Ihr werdet hier sehr viel über Gemüseanbau und das Gärtnern an sich lesen, aber auch über dieses verrückte Jahr. Vielleicht ging es Euch in manchen Situationen ähnlich. Please share! Ihr findet mich auf den Social-Media-Kanälen. Wir sehen uns. Bis dahin, viel Kraft für den stillen Monat November und  vor allem: bleibt gesund!