Go for nature: Zwillinge zeigen gemeinsame Stärke

Miri und Noemi sind ein echtes Team. Die beiden Zwillinge haben eine besondere Beziehung zur Natur, setzen sich aktiv für Umweltschutz ein und sind der Meinung, dass zusammen alles irgendwie einfacher ist. Ihre Aktionen motivieren und inspieren, frei nach dem Motto: Einfach mal versuchen und vorleben.

Miri und Noemi, Ihr sprecht auf Eurem Account GLEICHGESINNT über Themen wie Nachhaltigkeit und Naturverbundenheit. Wo genau lebt Ihr beiden und was studiert Ihr?

Miri: Ich wohne seit 2 ½ Jahren auf Amrum und ich bin damals mit meinem Shetland-Pony hergezogen. Amrum ist eine Nordseeinsel bei Föhr und Sylt. Wir leben hier ganz klein und gemütlich und fühlen uns richtig wohl.

Mein Studium habe ich im Bereich Mensch und Umwelt mit Schwerpunkt Umweltpsychologie begonnen. Mir hat die Psychologie so gut gefallen, dass ich vor knapp drei Jahren komplett dorthin gewechselt bin. Ich studiere im Fernstudium, so kann ich hier leben und bin mit diesen Entscheidungen auch sehr zufrieden.

Noemi: Ich wohne in Hildesheim, studiere Umwelt- Naturschutz- und Nachhaltigkeitsbildung und bin gerade erst vor ein paar Monaten hergezogen.

Auf Eurem Account berichtet Ihr von Eurem gemeinsamen Aktivismus und darüber, wie Ihr Dinge in die Tat umsetzt. Welche sind das genau?

Noemi: Wir haben bisher bei vielen politischen Aktionen mitgemacht und waren im ökologischen Bereich der Nachhaltigkeit tätig. Mehr und mehr versuchen wir aber, Menschen zusammenzubringen, die Tausch- und Schenkkultur anzuregen um den sozialen Aspekt abzudecken. Gemeinsam mit dem Jugendklimarat in Bremerhaven haben wir beispielsweise ein Repair-Café gegründet, wo Menschen mit kaputten Gegenständen oder Löchern in der Hose hingehen können. Dort wird ihnen gezeigt, wie sie Dinge reparieren können. Das ist ein Schritt gegen die Wegwerfgesellschaft, wie wir es nennen.

Ich bin auch bei der Organisation einer Fahrradtour von Köln nach Berlin dabei, bei der wir uns für Klimaschutz stark machen. Außerdem habe ich einen Foodsharing-Bezirk gegründet, um mich für die Wertschätzung von Lebensmitteln einzusetzen. Es sind ganz viele Projekte, die parallel laufen.

Miri: Ich musste auf Amrum umdenken und schauen, was für mich überhaupt möglich ist. Früher wohnte ich in einer Studierendenstadt, konnte auf Demos gehen und mich in Gruppen engagieren. Jetzt, auf Amrum, ist der Altersdurchschnitt ziemlich hoch. Das ist ein bisschen, wie auf dem Dorf zu wohnen.

Vor kurzem hat mich Noemi jedoch auf die Idee der Sharing-Gruppen gebracht. Das sind Gruppen in denen man das, was man zu Hause hat, verschenken, tauschen oder leihen kann. In einer Facebook-Gruppe habe ich angefragt, ob Interesse besteht und es haben sich ca. 100 Leute zurückgemeldet. Das hat mich voll gefreut. Zum einen ist das super nachhaltig und zum anderen entsteht eine Geschenkdynamik. So kann man anderen eine Freude machen und etwas weitergeben. Dass ich meine Ideen auf der Insel einbringen kann ist für mich eine tolle Möglichkeit.

Welche Rolle spielen in Eurem Leben die Verbindung zum Garten und zur Natur?

Miri: Zum Garten ist eine gute Frage. Ich habe hier tatsächlich keinen Garten. Der Wohnraum ist hier sehr beschränkt, aber das Selbstanbauen gibt sehr viel Unabhängigkeit. Man sieht, was man leistet und bekommt etwas zurück.

Ich freue mich, wenn ich wieder die Möglichkeit habe, im Garten etwas zu tun, aber was ich hier umso mehr habe, ist die Natur und das gibt mir auf jeden Fall sehr viel. Ich glaube, dass die Natur eine heilende Wirkung für Menschen hat. Ich brauche das auf jeden Fall und deswegen wohne ich auch hier.

Ich bin beeindruckt von Eurem Tatendrang, Eurem Mut und Euren genauen Vorstellungen. Was treibt Euch an?

Noemi: Miri hat gesagt, dass die Natur ihr sehr viel gibt und ihr Kraft schenkt. Ich sehe das genauso. Unsere Aktionen sind unser Weg der Natur und unserem Umfeld, etwas zurückzugeben und eine Welt zu schaffen, in der wir gerne leben wollen und uns wohlfühlen. Wir finden, dass es wichtig ist, unser Umfeld dafür zu sensibilisieren und zu inspirieren.

Gibt es noch etwas, was Euch motiviert?

Miri: Grundsätzlich sehnen wir uns nach einem Leben im Einklang mit der Natur und allen Lebewesen. Deswegen kämpfen wir auch für das Thema Veganismus und ich finde es wichtig, dranzubleiben. Es ist schön zu sehen, dass es viele gibt, die ähnliche Ziele verfolgen.

Was möchtet Ihr mit dem Instagram-Account erreichen?

Noemi: Auf unserem Account läuft ganz viel Aufklärungsarbeit und wir können uns dort künstlerisch ausleben. Das verbindet uns. Aber wir möchten es schaffen, unsere Gleichgesinnt-Community auch außerhalb von Instagram zu vernetzen, zum Beispiel durch Brieffreundschafts- oder Tauschaktionen.

Die Brieffreundschaftsaktion war ein Aufruf, den wir zu Anfang der Corona-Zeit gestartet haben. Menschen, die eine Brieffreundschaft gesucht haben, konnten sich bei uns melden und schreiben, wen sie suchen. Viele haben sich darauf eingelassen und wir haben die Kontakte zugeteilt und untereinander vernetzt. Es war eine Art Blind Date und es hat super geklappt. Wir haben richtig gutes Feedback bekommen.

Es ist schön zu sehen, dass fast 200 Kontakte zustande gekommen sind. Menschen zusammenbringen finden wir total spannend, aber natürlich wollen wir auch die Themen voranbringen, die wir schon genannt haben.

Auch das Thema Feminismus spielt auf Eurem Account eine Rolle. Was treibt Euch dabei an?

Noemi: Als wir jünger waren, haben wir das Thema an sich noch gar nicht gesehen. Je älter wir wurden, desto klarer wurde, wie wir behandelt werden oder auch nicht behandelt werden wollen. Wir wurden älter und haben uns trotzdem unsicherer gefühlt, wenn wir abends noch draußen waren. Als Kinder haben wir immer noch sehr lange draußen auf der Straße gespielt. Dann waren wir auf einmal jugendlich und mussten nach der Party nach Hause gebracht werden. Da wurde es ein bisschen klarer, dass wir doch noch nicht alle so gleichberechtig sind und so behandelt werden, wie wir das gerne hätten.

Es sind einige Dinge passiert, die wir so nicht hinnehmen wollen und uns deshalb für alle Frauen stark machen, die vielleicht nicht die Kraft dafür haben.

Miri: Ich finde Noemi, hat das gut zusammengefasst. Ich habe für mich selbst gemerkt, dass ich das nur mache, wenn ich die Kapazitäten dafür habe, weil mich einige Themen auch triggern. Umso schöner ist es, wenn man den Account gemeinsam führt und sich abwechseln kann. Ich finde aber auch, dass das auf andere Themen übertragbar ist. Wenn man sich einmal ausgelaugt fühlt oder Weltschmerz empfindet, dann ist es gut, wenn man eine kurze Pause macht. Dann tankt man neue Energie und Kraft, um weiterzumachen. Ich finde es sehr wichtig zu wissen, dass da andere Menschen sind, die auch für ein gemeinsames Ziel kämpfen. Wir in unserem Fall, zu zweit, in Form des Accounts, aber auch gemeinsam mit unseren Follower:innen und vielen anderen Menschen.

Eure Aktionen sind absolut mitreißend. Welche Message wollt Ihr anderen mitgeben?

Miri: Es gibt viele Möglichkeiten, etwas zu bewegen. Einige versuchen wir aufzuzeigen, zum Beispiel, sich für Foodsharing einzusetzen, in der Natur Müll sammeln, sich mit Freunden zusammentun oder politisch aktiv werden. Man kann einfach vieles erreichen. Gemeinsam macht das natürlich Spaß, aber auch wenn ich alleine Müll aufsammle und mich dabei jemand sieht, dann habe ich einen Einfluss. Einfach mal versuchen und vorleben.

Noemi: Das einfachste ist, sich Gruppen anzuschließen, die es schon gibt, besonders wenn man noch nicht weiß, wie man alleine starten soll. Wenn man sich jedoch nicht traut oder, je nachdem wo man lebt, nicht die Möglichkeiten einer Gruppe hat, kann man natürlich auch auf individueller Ebene beginnen. In einer Stadt gibt es ganz andere Möglichkeiten aktiv zu werden als in einem kleinen Dorf. Aber irgendwie ist in Gruppen alles irgendwie einfacher.

Wer inspiriert Euch?

Noemi: Unsere Eltern haben uns schon sehr früh Schilder malen lassen und zu Demos mitgenommen. Das hat uns sehr geprägt. Unsere Mutter sagt oft, dass sie als junges Mädchen sehr ähnlich war wie wir jetzt.

Miri: Eine Person, die ich sehr inspirierend finde heißt Pia Kraftfutter. Sie setzt sich für Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein, aber auch für Themen wie Veganismus und Tierrechte. Sie leistet sehr gute Aufklärungsarbeit, weil sie für den Aktivismus lebt und damit viele Menschen inspiriert.

Wovon träumt Ihr?

Noemi: Ganz utopisch, in meinem Studium lerne ich viel über Gemeinwohl und Ökonomie, weil das die nachhaltigste denkbare Wirtschaftsform ist. Mein Wunsch ist, dass im Allgemeinen wieder mehr geteilt wird, wieder mehr selbstgemacht und entschleunigt wird und auch Wissen und Fähigkeiten mehr geteilt werden. Dann müssten wir alle gar nicht so viel besitzen, würden viel einfacher in Kontakt kommen und müssten gar nicht so viel arbeiten. Ich glaube, das ist so mein optimales Gesellschaftsbild.

Miri: Ich würde mir das auch wünschen. Der Trend geht dahin, dass sich Menschen mehr nach Gemeinschaft sehnen, alte Höfe aufkaufen, gemeinsam dort einen Permakulturgarten bewirtschaften, sich gegenseitig unterstützen und voneinander profitieren und lernen. Ich finde das eine schöne Bewegung und würde das gerne mehr unterstützen. Ich kann mir auch vorstellen, später selbst einmal so zu leben.

Wollt Ihr als Zwillinge irgendwann wieder gemeinsam in einer Stadt leben?

Noemi: Das wäre schon cool, wenn das irgendwann wieder geht.

Miri: Nach dem Studium, je nachdem, wo es uns so hinverschlägt, aber so dass es vielleicht gut zu erreichen ist. Familie ist uns auf jeden Fall wichtig. Wir haben auch noch eine große Schwester, Mascha, die Dritte im Bunde. Wir würden gerne nah beieinander wohnen. Aber es ist trotzdem wichtig, dass wir im Moment jede unser Ding machen und unsere Träume verwirklichen. Für später ist das aber auf jeden Fall ein Wunsch.

Vielen Dank für das bereichernde Interview.
Die Bilder wurden von Miri und Noemi zur Verfügung gestellt.